Seyfried und Ziska
Harmonian Anarchists. Die Comics. Alle!
Es hat in den siebziger Jahren wohl kaum eine Wohngemeinschaft gegeben, in der nicht Gerhard Seyfrieds Comics herumlagen, seine Wimmelbilder und Plakate die Wände schmückten und seine Sprüche zitiert wurden. Mit Seyfried begann die Geschichte des deutschen Underground Comics (WO SOLL DAS ALLES ENDEN, INVASION AUS DEM ALLTAG, FREAKADELLEN UND BOULETTEN): Kein anderer hat die alternative Szene - samt ihren grün uniformierten Widersachern, treffender aufgespießt, kein anderer wurde öfter kopiert. Heute wie damals zieren seine Karikaturen und Parolen Flugblätter, Hauswände und die sanitären Anlagen in Szenekneipen. Seine Zeichnungen haben eine ganze Generation am Lachen gehalten, ihm etliche Anzeigen und Gerichtsverhandlungen eingebracht, und sind das wohl lustigste Kulturgut der Außerparlamentarischen Opposition.Inspiriert durch einen längeren Aufenthalt bei seinen Kollegen Gilbert Shelton und Paul Mavrides, den Vätern der “Fabulous Furry Freak Brothers“ in San Francisco, wandte sich Seyfried vom Zeichner von Ein-Bild-Karikaturen zum Erzähler von Comic-Geschichten. Die Freaks der Sponti- und Anarchoszene zusammen mit knollennasigen Bullen („Pop! Stolizei!“) wurden zu seinem Markenzeichen. Als 1989 Rest- und Rost-Berlin wiedervereinigt wurden, antwortete Seyfried mit einem furiosen Nachwende-Comic (FLUCHT AUS BERLIN).
Dann traf er die damals 17 jährige Ziska Riemann, sie gründeten das Künstlerduo "Harmonian Anarchists" und entwickelten gemeinsam einen neuen Zeichen- und Erzählstil: die fantastischen Zukunftsvisionen FUTURE SUBJUNKIES und SPACE BASTARDS. Diese Mischung aus anarchovisionärer Politik und Science-Fiction schockte zwar manche seiner alt-linken Verehrer, brachte ihm aber viele neue Fans aus der jungen Generation.
Im letzten gemeinsamen Comicband STARSHIP EDEN ist es den beiden Zeichnern gelungen, neuen Stil und ‚klassischen Seyfried’ miteinander zu verschmelzen. Dieser Comic ist ein ungeheuer bösartiges und schreiend komisches Werk gegen Nazis und Faschisten, in dem komplette Regierungen auf den Mond geschossen werden, und Görmann Hering sich mit Hitolf Adler um die Macht prügeln muß.
Die meisten der Alben sind längst vergriffen und unter Sammlern heiß begehrt. Zeit also, das Comicwerk der beiden zu einem Prachtband zu bündeln. Er enthält Seyfried pur: WO SOLL DAS ALLES ENDEN, INVASION AUS DEM ALLTAG, DAS SCHWARZE IMPERIUM, FLUCHT AUS BERLIN und LET THE BAD TIMES ROLL, den Ziska-Solo-Band RASCAL & LUCILLE und die drei “sehr schönen, neopsychedelischen“ Comicbücher FUTURE SUBJUNKIES, SPACE BASTARDS und STARSHIP EDEN. Ergänzt werden die einzelnen Alben von kaum bekannten Kurzcomics und einer funkelnagelneuen fantastischen Geschichte: Die Galeristin Milketott, die mit dem Verkauf von Seyfried-Ziska-Bildern ein Vermögen zu machen hofft, ist auf der Suche nach den letzten Originalen der beiden Comic-Künstler. Ihr Weg führt sie nach Japan, wo die beiden inkognito die Manga-Szene unterwandert haben.
Über die Autorin und den Autor : Ziska Riemann wurde am 10.8.1973 in Berlin geboren und verkaufte ihre ersten selbst kopierten Comics 1987 auf der Straße. Ziska schreibt auch “harte, dreckige Kurzgeschichten“ (Uta Falck, Berliner Zeitung), erfolgreiche Drehbücher´("Die Hunde sind schuld") und singt. Ihre erste CD heißt “Wo hier bitte geht‘s nach Shambala“. www.ziska.tv
Gerhard Seyfried wurde am 15.3.1948 in München geboren und lernte das graphische Handwerk bei der längst entschmolzenen Eiskremfirma „Jopa“. Von 1971 an war er der Karikaturist für das Münchner „Blatt“ und zog 1976 nach Berlin. 1990 erhielt er den „Max und Moritz-Preis“ als bester deutscher Comiczeichner. Seitdem hat Seyfried sich auch als Autor von Romanen („Herero“, „Der schwarze Stern der Tupamaros“) einen Namen gemacht. www.seyfried-berlin.de
Der Pressetext als PDF