Gerhard Seyfried
Die Werke. Alle! Eine Werkschau.
Nach dem Prachtband mit sämtlichen Comics (Seyfried & Ziska: Die Comics- Alle!) liegt nun die große Werkschau von Gerhard Seyfried vor, die das gesamte künstlerische Werk zeigt: Cartoons und Karikaturen, Poster und Plattencover, Illustrationen und Ölgemälde, Skizzen, Studien und Fotos.Hier findet sich eine Flut von kaum bekanntem oder nie veröffentlichtem aus Seyfrieds Schatzschubladen, darunter Raritäten wie die Postcartoons, sein Cannabis-Poker-Deck und das längst vergriffene Freakadellen und Bulletten. Neben technischen Studien von Segelschiffen, Gebäuden und seltsamen Fahrzeugen aller Art entdeckt der geneigte Leser legendäre Stadtansichten, illustre Kaffeehausgäste und absurde Sprachverdrehungen. Zahlreiche Interviews, die seine 25 Jahre jüngere Kollegin Ziska mit ihm geführt hat, leiten durch Seyfrieds Schaffen und Werk.
Hier gibt der eher öffentlichkeitsscheue Künstler Einblicke in sein Leben, in seine Arbeits- und Denkweisen und seinen Humor. So entstand eine reich bebilderte Zeitreise von seiner Jugend in München, wo er - nach der Ausbildung zum Gebrauchsgrafiker in einer Eiscremefabrik - wegen eines Streikaufrufs gegen die Notstandsgesetze von der Graphischen Akademie verwiesen wurde; durch seine Arbeit bei Pardon und dem Münchner Blatt als Chronisten der Studentenbewegung und Alternativszene, bis zum Tuschezaren des Schwarzen Imperiums. Seyfried erzählt von seiner Zeit in San Francisco mit den Freak Brothers-Kollegen Gilbert Shelton und Paul Mavrides und zeigt Skizzen, Cartoons und Fotos dazu; von wilden Nächten in der Berliner Discothek "Sound"; und von der Gründung der Harmonian Anarchists mit Ziska.
Natürlich sind auch seine zahlreichen Plakate vertreten, darunter die für Christian Ströbele, die dem Grünen das erste Direktmandat im deutschen Bundestag verschafften. Auch finden sich zeichnerische Impressionen einer Namibiareise, die ihn zu seinem historischen Roman Herero inspirierte, dem mittlerweile zwei weitere Romane gefolgt sind. Wer einen Blick auf die letzten 40 Jahre der bunten Republik Deutschland werfen will - bunter, detaillierter und komischer als im Seyfriedschen OEuvre sind sie wohl nirgends festgehalten.
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